Häufigkeit

der laktoseintoleranz

Schätzungen zu Folge sind in etwa 75 Prozent der Weltbevölkerung laktoseintolerant. Das Vorkommen der Laktoseintoleranz ist dabei nicht proportional über die Kontinente verteilt. Die südliche Erdhalbkugel ist um einiges stärker betroffen als die nördliche Seite. In diesem Beitrag können Sie nachlesen wie häufig Laktoseintoleranz in verschiedenen Teilen der Erde ist.

Deutschland

In Deutschland gehören laktosehaltige Nahrungsmittel zum täglichen Speiseplan vom Großteil der Bevölkerung. Laktoseintolerante Menschen sind in Deutschland nämlich eher die Ausnahme. In Deutschland sind etwa rund 15-20 Prozent der Bevölkerung laktoseintolerant. Im weltweiten Durchschnitt ist dies ein recht niedriger Anteil.

Nordamerika und Europa

Die Fähigkeit noch im Erwachsenenalter Milchzucker spalten zu können, ist eine Besonderheit der Europäer und ihrer Nachfahren in Nordamerika, Australien und Südafrika. In Europa gehören die laktoseintoleranten Menschen der Minderheit an. Rund 75 bis 90 Prozent der Menschen in Europa sind dazu in der Lage Laktose zu verdauen. Besonders Irland sticht hierbei heraus. Über 90 Prozent der Menschen in Irland vertragen Laktose. Aber bereits in Europa zeigt sich je weiter südlich geschaut wird, desto weniger vertragen die Menschen dort Laktose. In Südeuropa vertragen nur rund 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung Laktose. In Nordamerika kann vor allem die weißhäutige Bevölkerung Laktose verdauen.

Afrika und Asien

In Afrika können zwischen 80 und 90 Prozent der Bevölkerung Laktose nicht verdauen. In Asien vertragen je nach Region zwischen 80 und 100 Prozent der Bevölkerung den Milchzucker nicht. Im Gegensatz zu den Europäern sind viele asiatischen Kulturgruppen aber auch nicht auf das Calcium aus der Milch angewiesen, da sie viel calciumhaltiges Blattgemüse und Sojaprodukte zu sich nehmen. In Afrika und Asien spielen daher Milch und Milchprodukte eher eine Nebenrolle auf dem täglichen Speiseplan.

Einfluss von Alter und Geschlecht

Es gibt keine Anzeichen dafür, dass das Geschlecht Einfluss auf die Häufigkeit der Laktoseintoleranz hat. Oftmals scheint es als seien Frauen häufiger betroffen, dieses Phänomen wird aber darauf zurückgeführt, dass sich Frauen eher auf Laktoseintoleranz testen lassen. Im Gegensatz zum Geschlecht hat das Alter dagegen einen Einfluss auf die Laktoseintoleranz. Eine Laktoseintoleranz ist bei Kindern unter fünf Jahren sehr selten. Meist entwickelt sie sich erst im Jugend- und Erwachsenenalter. Mit zunehmendem Lebensalter nimmt die Aktivität der Laktase ab. Daher kommt es vor, dass Menschen, die ihr gesamtes Leben keine Probleme mit dem Verdauen von Laktose hatten, plötzlich im Alter die typischen Symptome nach dem Verzehr von laktosehaltigen Nahrungsmitteln verspüren.

Knappe Datenlage

Die Datenlage zur Verteilung von Laktoseintoleranz ist nicht eindeutig, da es viele nicht diagnostizierte Fälle gibt. Es steht aber fest, dass es Unterschiede zwischen Kulturen und Ethnien gibt. 

Evolutionärer Vorteil

Eine Verträglichkeit von Milchzucker stellte evolutionär gesehen einen großen Vorteil dar. Im Laufe der Menschheitsgeschichte konnte sich durch die vermehrte Aufnahme von Milch eine Laktoseverträglichkeit (Laktasepersistenz) entwickeln. Bis vor circa 7.000 Jahren hatte weltweit niemand die Fähigkeit im Erwachsenenalter Laktose zu verdauen. Mit dem Aufkommen der Viehzucht und Milchwirtschaft konnten Menschen, die Milch vertragen, diese erstmals als zusätzliche Nahrungsquelle nutzen. Die Kindersterblichkeit nach dem Abstillen konnte so reduziert werden. Milch als zusätzliche Nahrungsquelle konnte sich durch die Genmutation der Milchzuckerverträglichkeit durchsetzen und das Angebot an Lebensmitteln, die Milch enthalten, steigt seitdem stetig an.

Quellen/Literaturverzeichnis

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